ES WIRD S(TR)ANDIG - WÜSTE (WADI RUM) UND ROTES MEER (AQABA)

Nach (für meine Verhältnisse) sehr bewegungsintensiven Tagen in Petra, ging die Reise (28.4.) weiter zum nächsten Touri-Hotspot, und zwar nach WADI RUM. Und das bedeutete auch eine touristisch adäquate Anreise, schön im Minibus inkl. Abholen vom Hotel. Diesen Service weiß man besonders bei einer Abfahrtszeit von 6 Uhr (morgens wohlgemerkt) sehr zu schätzen.

Im Gegensatz zu meiner ersten jordanischen Busfahrt war die vorbeiziehende Landschaft dieses Mal aus-dem-Fenster-guck-würdig. Dies ist eine meiner Lieblings-Reisebeschäftigungen, von der ich auf dieser Fahrt ab und zu durch einen herzlichen Beifahrer unterbrochen wurde, weil er uns unermüdlich ganz nach dem Motto “Teilen macht Spaß” mit Essen versorgte. Mich rührte diese Gastfreundlichkeit und es war eine kurzweilige Fahrt.

 

Drei Stunden später waren wir am Ziel, an dem touristische Betriebsamkeit herrschte. Touris suchten aus den unzähligen wartenden Beduinen denjenigen, bei dem sie ihre Tour gebucht hatten. WhatsApp-Profilbild sei dank wurde ich schnell fündig aber die diesbzgl. Freude verging sofort als mir eröffnet wurde, dass mein ausgewähltes “Sleeping-under-the-stars”-Package nicht umsetzbar ist, da ich die einzige bin und es somit zu teuer, da zu aufwändig, wäre. Da machte sich etwas Enttäuschung in mir breit, weil das Unterm-Sternenhimmel-schlafen doch das Einzige war, das ich uuunbedingt in Jordanien machen wollte.

 

Dafür bekam ich dann meine ganz persönliche Jeep-Tour durch die Wüste. Ich saß alleine hinten auf der Ladefläche, genoß den gegen die Hitze ankämpfenden Fahrtwind und lächelte den anderen Touris, die sich auf den Ladeflächen der entgegen kommenden Jeeps aneinander quetschten, entgegen. Wir machten an verschiedenen Stationen Halt und, wie schon in Petra, erwarteten mich auch hier tolle Aussichten und Felsformationen. Mich faszinierten die sandige Weite sowie die ständig wechselnden Farben. Aber ich hatte auch ein schlechtes Gewissen mit so einer lauten Dreckschleuder durch diese wunderschöne Naturlandschaft kutschiert zu werden.

 

Für einen späten Lunch legten wir einen Stopp im menschenleeren Camp mitten in der Wüste ein. Mein Guide wurde etwas aufdringlich (und ich realisierte mal wieder, wie schrecklich naiv ich mittlerweile bin…) aber das ließ sich zum Glück schnell klären, so dass ich mich weiterhin an dem exklusiv-für-mich-Programm erfreuen konnte.

 

So dann auch an dem Abend unterm Sternenhimmel am Lagerfeuer, als sich mein Guide in einen begabten Koch verwandelte. Es war extremst lecker. Mein Bauch war voll, ansonsten herrschte absolute Leere im Camp. Und absolute Stille. Unbeschreiblich. So still hab ich es noch nie irgendwo erlebt.


Ich habe dann auch richtig gut geschlafen und nach einem ausgiebigen jordanischen Frühstück ließ mich der Guide alleine zurück, da er für eine Tour gebraucht wurde. Somit hatte ich das Camp nun wirklich ganz für mich alleine. Die Vorstellung der Einsamkeit mitten in der Wüste haute mich um. Im positiven Sinne. Es war dolle heiß und jedes noch so winzige Lüftchen eine willkommene Erfrischung. Aber da ich auch Bewegung brauchte, lief ich die das Camp umrahmenden Berge entlang, um die Orientierung nicht zu verlieren. Es war überragend aber gleichzeitig war mir auch mulmig zumute so ganz alleine inner Wüste. Denn im tiefen Sand sah man deutlich diverse (Fuß-)Spuren und die Gedanken, welche Spur wohl zu welchem Tier gehören mag, ließen sich schwer abstellen. Dennoch war meine Begeisterung über diese einsame Weite und Stille in der Natur größer als meine Befürchtungen. Das alles hatte eine ähnlich intensive Wirkung auf mich wie das Meer.

 

Am Abend hatte ich dann Gesellschaft von einem Pärchen aus Berlin. Und nachts gesellten sich wieder unendlich viele Sterne über meinen Kopf. Dieser Sternenhimmel zog mich gewaltig in seinen Bann und die zwei Sternschnuppen waren die Krönung.


Ich habe echt drüber nachgedacht, einfach dort in der Wüste zu bleiben aber ich hatte bereits eine teure Hotelbuchung am Roten Meer und nahm somit nach dem Frühstück schweren Herzens Abschied von der Wüsten-Magie und fuhr (30.4.) mit einem Taxi nach AQABA.

 

Ich hatte Angst vor einem (für mich zu) wuseligen Aqaba, besonders nach der intensiven Ruhe der letzten zwei Tage. Aber dann fand ich es gar nicht so schlimm. Im Gegenteil, das Gewusel lenkte mich ein wenig von dem schmerzlichen Vermissen ab. Ich lief umher und wollte natürlich ans Wasser. Direkt in der Stadt gibt es auch einen kleinen steinigen Strand aber hier waren nur verhüllte Frauen anzutreffen. Mit genügend Selbstbewusstsein kann man hier wohl trotzdem im Bikini liegen aber das wollte ich nicht. Somit verbrachte ich nach einer interessant durchgeführten Pediküre den festlichen Tag laufend, kaffeetrinkend, hummusessend, recherchierend und ging früh ins Bett. Hatte schließlich viel bezahlt für das Zimmer (1for2 - ein Alleinreise-Nachteil).


Das Frühstückslokal war eine Empfehlung des Hotels und es war dolle local. Es war knackevoll und ausschließlich Männer saßen dort aber angesichts des knurrenden Magens wagte ich mich dennoch rein. Und ich war wohl eh die einzige, die daraus ein Thema machte, keiner beachtete mich und das echt leckere und super preisgünstige Frühstück ließ mich dann die Bedenken schnell fallen lassen.

 

Gestärkt ging es mit nem Shuttle zum am Vortag recherchierten Beach Club am South Beach. Das ist ja so gar nicht meins aber die öffentlichen Strände kamen für mich nicht in Frage und nicht an den Strand zu gehen noch weniger. Laute Musik von verschiedenen Seiten schallte mir entgegen, alles wirkte etwas schäbig und die Animationen durften natürlich auch nicht fehlen. Dem nicht genug, gestaltete sich das Baden schwierig, da überall Steine und Muscheln einen schmerzfreien Weg ins Wasser unmöglich machten. Die anderen Sonnenanbeter waren da besser vorbereitet mit ihren Wasserschuhen, wie ich neidvoll feststellen musste. Also ab unter nen Stroh-Sonnenschirm und den Strandtag dennoch genießen so gut es geht.

 

Nicht wirklich gewöhnen konnte ich mich an die komplett verhüllten einheimischen Frauen, mir war es ja im Bikini schon zu heiß. 

 

Ich hab viel gelesen, vor mich hingeträumt und mich dann abends mit dem Shuttle zurück in die Stadt bringen lassen. Und mir nach einem nicht ganz unkomplizierten Busticket-Kauf ein köstliches Abendessen bei etwas erträglicheren Temperaturen schmecken lassen.


Und am nächsten Tag machte ich dann nochmal genau das selbe (oder gleiche?). Da nun alles vertrauter war, konnte ich mich besser darauf einlassen und auch die Musik war um einiges erträglicher.

 

Den Tag über begleitete mich eine Wehmut und eine für mich nicht richtig zu greifende Sehnsucht, die mich am Ende jeder Reise packt und dann jedes Mal vom Alltag nach und nach zugeschüttet wird...


Den kommenden Morgen gab's ein letztes sättigendes Hummus-Falafel-Frühstück (nun reicht's auch), dann ging's zur Busstation und von dort dahin zurück, wo die Reise begann und nun auch endete - nach Amman.

 

Nach einer bescheidenen Nacht im Hostel musste ich früh los zum Airport. Bei der Passkontrolle gab es dann zum Abschied nochmal sehr herzlich Worte: “Your welcome to Jordan anytime". :)


Die zwei Wochen in Jordanien waren interessant mit unerwarteten Highlights (die vielen spektakulären Wandermöglichkeiten und die mich verzaubernde Wüste) aber den Umgang mit Müll (wirklich überall wird einfach alles hingeschmissen, selbst in den geschützten Gebieten) konnte ich nicht ignorieren. Und auch die Rolle der Frau war für mich befremdlich.


Meine Empfehlung: Auf nach Jordanien! Eine Woche ist dabei völlig ausreichend. Mit Mietwagen. Und dem Jordan Pass. 



WADI RUM:



AQABA:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0