GUATEMALA - PARTE TRES (LAGO DE ATITLÁN, RÍO LÁMPARA, ANTIGUA)

Es ist Ende April, ich bin schon seit Ewigkeiten zurück im Alltag. Alltag… wie sehr sich dieser in den letzten Wochen verändert hat. Selbstverständlichkeiten sind plötzlich nicht mehr selbstverständlich. Wie zum Beispiel das Reisen. Mehrere geplante Frühjahrs-Kurztrips musste ich canceln. Aber nun sitze ich mit einer Decke eingekuschelt auf dem Sofa und genieße die von Freizeitstress befreite Zeit. Eine gute Gelegenheit, die Augen zu schließen und gedanklich zurück nach Guatemala zu reisen:


Am Montag (25.11.) war wieder Weiterreise-Tag. Da ich mich mittlerweile routinierter fühlte mit den Chickenbusses und dieses Transportmittel zudem preislich sowas von unschlagbar ist, wollte ich mich eigentlich weiter mit diesem fortbewegen, stellte aber fest, dass ich nur mit mehrmaligem Umsteigen ans Ziel kommen würde. Und musste mir selber eingestehen: nee, irgendwie reichte es mir mit den leicht abenteuerlichen Fahrten. Wie der Zufall will, stieß ich beim Recherchieren auf einen gemeinnützigen Touranbieter, der einen direkten Shuttle anbietet. Und so schlug ich zwei Fliegen mit einer Klappe: ich konnte ein tolles Projekt unterstützen und gleichzeitig bequem mit nem Minivan im Touri-Style zum Ziel reisen. Perfecto!


Mein Ziel war der heiß umschwärmte LAGO DE ATITLÁN. Alle, die mir vom "Lake" berichteten, bekamen leuchtende Augen. Ich war also sehr gespannt. Und wurde nicht enttäuscht: nach einer richtig schön entspannten Fahrt schlängelten wir uns die letzten Kilometer abwärts ins Tal Richtung See, der umgeben ist von mehreren Vulkanen. Boah, war das schön - was für ein Anblick!


Um zu meinem auserkorenen Yoga-Spot - und zwar im kleinen Örtchen TZUNUNÁ - zu kommen, musste ich einen Boat-Shuttle nehmen und hatte direkt das glücksgefühlige Vergnügen, die wunderbare Vulkan-Landschaft vom Wasser aus zu bestaunen. 


Im Doron Yoga & Zen Center angekommen, fühlte ich mich erstmal etwas unwohl, da alle so gesellig und vertraut an einem Tisch saßen. Während die anderen hier zu einem Yoga-Retreat zusammengefunden haben, hatte ich nur die Unterkunft gebucht und nun Bedenken, mich ausgeschlossen zu fühlen. Aber dann lief ich durch das traumhafte Areal, bestaunte das Yoga-Shala mit einer Aussicht zum Niederknien (dieser Blick auf den Vulkan und See…) und schaukelte die Bedenken in meiner Hängematte weg. Und keine halbe Stunde später wurde ich von Doron zu einer Kakao-Zeremonie, die Bestandteil des Retreats war, eingeladen. Die folgenden zwei Stunden waren dann wirklich besonders. Der Kakao war der rote Faden, es ging um Ängste und Liebe. Mit einer Offenheit der Gruppe, die befremdlich und emotional zugleich war. Befremdlich war für mich auch das gemeinschaftliche Shanti-Singen. Ich hab sowas vorher noch nie gemacht aber wenn man sich da einfach drauf einlässt, hat es definitiv etwas. Alles in Allem war es sehr intensiv und befreiend. Und: Ich war in die Gruppe integriert. :) Somit wurde es zum gemeinsamen Dinner dann auch für mich schön gesellig. Und ich lernte Tina kennen, die vor ca. einem Jahr Berlin den Rücken gekehrt hat und nun in einem nach ihren Wünschen erbauten Häuschen auf dem Grundstück lebt.


Jeden Morgen ging´s früh raus - 3 Stunden Meditation und Yoga waren angesagt – zur aufgehenden Sonne. Jeder Tag ein Neubeginn. Es ist wunderbar, den Tag so früh zu beginnen, bzw. schon so viel (für sich) getan zu haben und den Tag trotzdem noch vor sich zu haben. Ich liebe das.


Und somit blieb, trotz dieser intensiven Selbstfürsorge, Zeit für Erkundungen. Zum Beispiel mit einer guided Tour mit den Retreat-Mädels. Per Boot ging es zuerst nach Santiago, dem größten Ort am Lago, danach nach San Juan. Dieses Örtchen hat mir sehr gefallen, es gibt dort viele Cooperative, bei denen sich Locals zusammengeschlossen haben, um in der Stärke einer Gemeinschaft Verschiedenes, wie z.B. Kosmetik und Textilien, zu produzieren und zu verkaufen. Besonders fasziniert hat mich das Einfärben von Wolle mit verschiedenen Pflanzen. So intensiv-leuchtende Farben. Das Eintauchen in Rosmarin-Sud ergibt zum Beispiel ein schönes sattes Grün.


Den darauf folgenden Tag machte ich eine kleine Wanderung mit Tina nach San Marco. San Marco ist DER Ort für Yogis, mit (zu) viel Hippie-Flair. Ursprünglich wäre auch ich hier gelandet aber da der dortige Yoga-Spot ausgebucht war, verschlug es mich ins Doron Center. Was für ein Segen, danke Universum!


Dafür nahm ich auch den ersten Skorpion-Stich meines Lebens in Kauf. Wir teilten uns – meinerseits unwissend – das Bett und meinen ahnungslosen Annäherungsversuch fand der Skorpion nicht so toll. Es war schmerzhaft aber ich wusste zum Glück, dass die Tiere an diesem Ort nicht giftig sind.

 

Und zwischen all diesen Erlebnissen gab es immer wieder inspirierende tiefgründige Gespräche mit den anderen Frauen, die mir nun, zurück auf meinem Berliner Sofa, erneut ins Gedächtnis kommen und mir Impulse geben für meinen Weg.


Genau das Gegenteil von dem mich fehl am Platz fühlenden Start in dem Yoga-Center war mein Abschied: unglaublich herzlich und mit vielen Umarmungen. Die Erinnerung daran wärmt grad wieder mein Herz. Die drei Tage fühlten sich an wie eine Woche. Sie waren so intensiv und wertvoll für mich, hier habe ich meine Leichtigkeit zurückgewonnen, die ich nun mitnehmen würde auf meine weite Anreise zurück ins Regenwald-Paradies. Ja, ich habe tatsächlich das Meer geskippt, um nochmal an einen meiner ersten Stationen in Guatemala zurück zu kehren.



Hierfür musste ich eine kurze Nacht in Panajachel verbringen, um um 4:50 Uhr am Freitag (29.11.) abfahrbereit zu sein. Es war eine laaaaaaaaange Reise zurück ins Paradies. Aber es war ein Regentag, ich hätte also keinen besseren Tag auswählen können, um einen ganzen Tag im Bus zu sitzen. Die ersten Stunden waren auch echt gut auszuhalten aber irgendwann wurde es doch anstrengend, mein Kopf schmerzte heftig. Und ich erwischte mich dabei, mich selbst dafür zu verfluchen, diesen Weg nochmal auf mich genommen zu haben, anstatt schön chillaxt am Beach abzuhängen…


Nach knapp 12 Stunden kam ich an in Rio Dulce. Und verbrachte eine Nacht in einem nahelegenden DschungelCamp, bevor mich dann ein Boot am Folgetag zurück brachte in mein persönliches guatemaltekisches Natur-Eldorado.


Dort angekommen, war die To(rt)ur so gut wie vergessen, es fühlte sich richtig an, nun genau hier zu sein. Und ich durfte wieder in mein luxuriöses zweistöckiges Bungalow „einziehen“. 


Nach dem Begrüßen aller mir vertrauten Gesichter und dem üblichen Small Talk mit anderen Reisenden machte ich mich top motiviert auf zum direkt am Fluss gelegenen Yoga-Deck. Und hatte zum allerersten Mal eine Yoga-Session ohne jegliche Anleitung, ich ließ es einfach fließen. Es funktionierte wunderbar. Go with the flow. Die danach notwendige Erfrischung holte ich mir mit einem Sprung in den Fluss. Ich nahm alles ganz bewusst wahr, erfreute mich an der Natur, beobachtete die Vögel sowie die umherflatternden riesengroßen farbenfrohen Schmetterlinge. Ich genoss diese Leichtigkeit und meine innere Mitte so sehr. 


Auch den nächsten Tag war ich, beginnend mit Meditieren und Yoga, voll in meinem Flow und lächelte, Sonne tankend auf dem Steg, unentwegt vor mich her. Ganz Buddha-like. Hach, so konnte es weitergehen.


Ging es dann aber leider nicht. Am Sonntag (1.12.) wachte ich groggy und mit Kopfschmerzen auf. Ich kam nicht aus dem Bett und musste meine Morgen-Routine canceln. Dann begann das Fieber, welches immer höher und höher wurde, bei 39,5 Grad hörte ich auf zu messen. Mir ging es echt richtig beschissen. Und ich hatte natürlich nicht abstellbares Kopfkino. Total krank mitten im Dschungel im Nirgendwo und nicht wissend, was das Fieber ausgelöst haben könnte („War der Skorpion vielleicht doch giftig?“, „Hat mich eine Malaria-Mücke erwischt?“, „Hab ich mir nen Parasit im Flußwasser eingefangen?“…). Ich war nicht mehr ich selbst, konnte mich kaum auf den Beinen halten und war echt fertig. Zum Glück fuhr der Inhaber mit dem Boot nach Livingston, um mir Tabletten zu besorgen. Das Fieber ging dann auch langsam runter, dafür rebellierte der Magen immer mehr. Die kommende Nacht verbrachte ich die meiste Zeit auf Klo. Und die nächsten Tage bestanden aus einem ständigen Wechselspiel zwischen Bett und WC... Zum Glück konnte ich länger in meinem Bungalow bleiben, ich wäre zum Weiterreisen überhaupt nicht fähig gewesen, schon gar nicht mit dem Boot.


Stück für Stück wurde es besser, nur das Schwachsein und die Energie- und Appetitlosigkeit blieben. Da aber der Rückflug nach Deutschland immer näher rückte, musste ich mich so langsam auf den Weg zurück in Richtung Süden machen. 



Nach einer WC-freien Nacht traute ich mir deshalb am Donnerstag (5.12.) die lange Reise zurück in den Süden zu. Von meiner Leichtigkeit war nix mehr übrig (obwohl, ein wenig Körpergewicht hatte ich definitiv verloren). Der Abschied war tränen-, die Bootsfahrt dann regenreich. Die Busfahrt nahm erneut viiiiiele Stunden in Anspruch aber ohne (Magen)Probleme meinerseits. Und so kam ich tatsächlich abends an in ANTIGUA.


Leider ging es in der Nacht dann wieder deutlich schlechter, so dass ich beschloss, zum Arzt zu gehen. Wieder eine Fügung, dass das Hostel, in dem ich übernachtete, von einer Deutschen betrieben wurde. Es ist so hilfreich, wenn einem in so einer Notsituation keine Sprachbarrieren im Weg stehen.


Diese Sprachbarrieren führten allerdings dazu, dass ich mit den Testergebnissen des Artzes in die Apotheke ging und sie meinten, ich hätte den gefährlichsten Parasiten ever. Eine halbe Stunde (voller Ängste) später konnte sich alles aufklären und ich wurde mit Antibiotika ausgestattet. Es war kein Parasit, sondern „nur“ irgendeine Infektion.


Mit dem Wissen, dass es nichts wirklich Schlimmes war, was mich so dermaßen außer Gefecht gesetzt hatte, war ich beruhigter. Und mein Magen auch. So tastete ich mich ganz vorsichtig an eine erste Mahlzeit und an eine kleinere Erkundungtour durch die Stadt heran. Antigua ist richtig richtig toll, ich hab mich echt ein wenig verliebt in das Flair dieser Stadt. Auf meiner großen Reise wäre ich hier definitiv eine Weile hängengeblieben. Da ich aber nach wie vor schwach war, zog es mich zum Ausruhen immer wieder zurück ins Hostel, wo ich sehr inspirierende Gespräche mit der Hostelchefin Tatjana führte. Sie stattete mich dann abends auch mit einer Wärmflasche aus. Wärmflasche - ein anderes Wort für Fürsorge. ;)


Wärmflasche und Tabletten zeigten Wirkung, so dass ich den letzten Tag nochmal nutzen konnte. Ich lief begeistert durch die von farbenfrohen Häuserreihen eingerahmten Strassen, fotografierte unzähige Kirchen und Ruinen, grüßte, wie es sich für Antigua gehört, freundlich alle mir Entgegenkommenden und gönnte mir immer wieder etwas Ruhe in einem der unzähligen wunderbaren Cafes. Endlich war auch der Hunger wieder da. Und als Krönung schien mir die Sonne so richtig schön urlaubsfeelingmäßig ins Gesicht.


Zur Abenddämmerung genoß ich von der Dachtereasse des Hosels nochmal den unbeschreiblichen Blick auf den ständig Feuer und Rauchwolken ausspukenden Vulkan Fuego, bevor es dann abends nach Guatemala City und am Sonntag (8.12.) zurück nach Deutschland ging.



Und auch, wenn dieses Mal nicht alles so glatt lief, wie ich es von den meisten meiner Reisen gewohnt bin, und ich noch wochenlang geschwächt war, denke ich an Guatemala nun zurück als eine weitere spannende und herzwärmende Erinnerung, die bleibt. Für immer. Es ist so schön, mir das alles grad durch das Schreiben wieder ins Gedächnis gerufen zu haben. Die Gespäche, die Landschaften, die Magie, die kleinen Abenteuer…



Ich weiß nicht, wie sich das allgemeine und auch mein Reiseverhalten verändern wird, aber ich bin unfassbar dankbar für all die Länder, Menschen und Erlebnisse, die ich bisher in mein Herz lassen durfte. Das erfüllt mich so sehr!!

DANKE!



LAGO DE ATITLÁN: 



RIO LÁMPARA:



ANTIGUA:

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